Highlights der März-Auktion: Zwei Mädchen-Porträts von Franz von Stuck

Ein weiteres Highlight aus dem München der letzten Jahrhundertwende bilden zwei in Pastell gemalte Mädchenbildnisse. Sie stammen aus der Hand des schillernden Malerfürsten Franz von Stuck (1863 – 1928).

Franz von Stucks Lieblingsmodell

Eines davon zeigt Stucks liebstes Modell in den Jahren zwischen 1904 und 1917: die eigene Tochter Mary. Sie entstammte einer Affäre Stucks aus dem Jahr 1895 mit Anna Maria Brandmaier, einer Büffetdame aus dem damals weithin berühmten Café Luitpold. Und obwohl der soeben zum Professor an der Münchner Kunstakademie berufene Maler von Anfang an deutlich machte, dass er die werdende Mutter nicht zu heiraten gedachte, kümmerte er sich von Geburt an finanziell, aber auch persönlich um sein Kind.

Vom unehelichen Kind zur Tochter aus bester Gesellschaft

Als sich abzeichnete, dass seine 1897 geschlossene Ehe mit der vermögenden Arztwitwe Mary Lindpaintner kinderlos bleiben würde, adoptierte Stuck die inzwischen achtjährige Mary, die von ihrer Mutter ohnehin in ein Internat abgeschoben worden war. Von da an führte das Mädchen das privilegierte Leben einer Tochter aus bester Gesellschaft, unterstützte den Vater, gemeinsam mit ihrer Stiefmutter, beim Anfertigen der Fotos, die Stuck als Grundlage für seine Gemälde verwendete, und saß ihm geduldig Modell.

Mary-Bilder in Öl, Pastell und Druck

Nicht nur Franz von Stuck selbst liebte dieses ebenmäßige Gesicht mit den wachen, großen Augen. Auch auf dem Kunstmarkt kamen die Mary-Bildnisse so gut an, dass neben Zeichnungen und Gemälden sogar Druckgraphiken entstanden. Das Mädchen, das auf vielen dieser Bilder gerade einmal neun oder zehn Jahre alt ist, scheint sich in die Aufgabe des Modellstehens ohne Weiteres gefügt zu haben: „Vermutlich hat Mary dies als ganz selbstverständlichen Bestandteil des Lebens in der Künstlervilla empfunden, der genauso dazu gehörte wie das Empfangen von Gästen oder das Herumführen von potentiellen Kunden. (…) Es darf nie vergessen werden, dass Franz von Stuck ein Maler war, der Geld verdienen musste (…) – und dass er zu diesem Zweck ein Motiv wie ,Die Sünde‘ (…) jahrelang wiederholte. Das Motiv ,Mary‘ ist hierfür ebenfalls ein sprechendes Beispiel“, schreibt Thomas Raff in seinem Buch „Mary Stuck und ihr Vater“. Das vorliegende Pastell mit grünen Schleifen im Haar basiert, genau wie eine sehr ähnliche Zeichnung aus dem Bestand der Villa Stuck, auf der Fotografie „Tochter Mary mit Kirschen“ aus dem Jahr 1905. Es wird mit einem Schätzpreis von 5.000 Euro angeboten.

Dem Mädchenalter entwachsen

Franz von Stuck Auktion München Scheublein

Franz von Stuck: Mädchen mit dunkelblauer Schleife im Haar. Pastell, R. u. signiert und datiert 1918. Schätzpreis 3.000 Euro. 

Auch die zweite Mädchendarstellung Franz von Stucks aus der Frühjahrs-Auktion 2025 trägt eine Schleife im Haar, allerdings ist das Mädchen blond und die Schleife blau. Datiert ist dieses Pastellporträt 1918, einem Zeitpunkt, zu dem Mary Stuck ihr Dasein als Modell ihres Vaters längst hinter sich gelassen hatte. Zum einen, weil sie dem Mädchenalter entwachsen war und im Jahr zuvor den Bauunternehmers-Sohn Albert Heilmann geheiratet hatte. Zum anderen aber auch, weil Franz von Stuck nach einigen Jahren intensivster Beschäftigung mit einem Modell nach neuen Gesichtern Ausschau hielt.

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